Kinder bei der freien Trauung – lassen wir sie doch einfach Kind sein…
Bei kaum einer freien Trauung fehlen sie: die kleinen Gäste. Als Blumenkinder, die den Weg zum Trauplatz mit Blütenblättern schmücken, oder als Ringträger, die mit todernstem Gesicht ihre wichtige Aufgabe erfüllen. Genau in diesen Momenten hört man überall ein “ohhh” durch die Reihen, und ziemlich sicher schlägt das ein oder andere Herz spürbar höher. Kinder gehören zu einer freien Trauung einfach dazu, und sie sollten immer herzlich willkommen sein.
Trotzdem gibt es einen Punkt, über den viel zu selten offen gesprochen wird: Kinder können nicht 45 Minuten still sitzen. Und sie können auch nicht 45 Minuten den Mund halten. Das ist doch völlig normal und sollte niemanden überraschen. Jeder, der ehrlich zu sich selbst ist, weiß das. Wir waren schließlich alle mal klein, und keiner von uns hat sich damals brav hingesetzt und für die Dauer einer ganzen Zeremonie geschwiegen. Nicht damals, und würde man uns heute in diese Situation zurückversetzen, ehrlich gesagt auch heute nicht.
Genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt: Es geht nicht darum, Kindern etwas abzuverlangen, was nicht mal Erwachsene 45 Minuten durchhalten würden. Solange ein Kind nicht wild zwischen den Stuhlreihen hin und her rennt, Dinge durch die Gegend wirft oder durchgehend brüllt, ist es am einfachsten, es einfach machen zu lassen. Ein Kind, das zappelt, flüstert, kurz die Position wechselt oder mit seinem Spielzeug beschäftigt ist, stört eine Trauung nicht. Es ist das normalste der Welt.
Was eine Zeremonie tatsächlich aus dem Rhythmus bringt, sind selten die Kinder selbst. Es sind viel öfter die Eltern. Die, die ständig aufstehen und sich wieder hinsetzen. Die ihr Kind festhalten und im Flüsterton ermahnen, in dem Glauben, das würde niemand mitbekommen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Diese Unruhe zieht die Aufmerksamkeit der Gäste viel stärker auf sich als ein Kind, das einfach nur Kind sein darf.
Und natürlich gibt es auch den Moment, in dem ein Kind wirklich eskaliert. Lautes, anhaltendes Weinen oder ein kleiner Wutausbruch mitten in der Zeremonie. Auch das ist völlig menschlich und nichts schlimmes. Nur bringt es in diesem Moment wenig, direkt neben dem Trauplatz stehen zu bleiben und zu versuchen, das Kind dort zu beruhigen. Sinnvoller ist es, sich mit dem Kind kurz zu entfernen, ein paar Schritte weiter weg, außer Hörweite. Das schont die Nerven des Brautpaares, die in diesem Moment ohnehin schon genug um die Ohren haben, und ganz ehrlich auch die eigenen.
Am Ende sollte man Kindern bei einer freien Trauung genau das zugestehen, was man ihnen überall sonst auch zugesteht: Kind sein zu dürfen. Eine freie Trauung setzt uns da keine Grenzen, wir sind frei in der Gestaltung, wollen Emotionen mit herzhaftem Lachen verbinden und sollten dies auch unseren kleinsten zugestehen. Die Erwartungshaltung am Anfang “seid süß” und danach “seid still”, ist ehrlicherweise auch nicht fair. ;-)
In Erinnerung bleibt nicht jedes Wort eurer Trauung – aber mit Sicherheit das Kind, das die Ringe nach vorne bringt und nach getaner Arbeit das Ringkissen einfach auf den Boden wirft...dieses Bild, dieses Lachen wird euch lange in Erinnerung bleiben. ;-)