Deutsch-persische Trauung – wenn zwei Kulturen an einem Tag zusammenfinden

Eine deutsch-persische Trauung ist für mich etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil ich selbst zwischen beiden Kulturen aufgewachsen bin, sondern weil an genau diesem Tag zwei Welten aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten – und die am Ende doch wunderbar zueinander passen.

Viele Paare, die auf mich zukommen, stellen sich zu Beginn eine ähnliche Frage: Wie bekommen wir das zusammen? Die deutsche Seite der Familie, die persische Seite, unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Erwartungen an eine Hochzeit. Die ehrliche Antwort darauf ist: Es braucht nicht mehr als den Mut, beides ernst zu nehmen, statt eine Seite nur mitlaufen zu lassen.

Genau hier kommt für mich Farsi ins Spiel. Ich spreche die Sprache nicht nur, ich bin mit ihr aufgewachsen, mit den Bildern, den Redewendungen, dem Humor, der zwischen den Zeilen mitschwingt. Das macht einen Unterschied, der sich nicht ersetzen lässt. Es geht nicht darum, ein paar persische Sätze in eine deutsche Rede einzubauen, sondern darum, eure Geschichte in beiden Sprachen wirklich zu verstehen und zu erzählen, ohne dass sich einer der Gäste ausgeschlossen fühlt.

Ein zentraler Bestandteil vieler persischer Zeremonien ist der Sofreh Aghd, der Vermählungstisch. Ein kunstvoll gedecktes Tuch, vor dem Braut und Bräutigam sitzen, umgeben von Elementen, die alle eine eigene Bedeutung tragen. Der Spiegel, in den der Bräutigam als erstes das Gesicht seiner Braut erblickt. Die Kerzen daneben, die für Licht und Wärme stehen. Ein Zuckerhut, der während der Zeremonie über dem Paar gerieben wird, damit das gemeinsame Leben süß beginnt. Jedes dieser Elemente erzählt still seine eigene Geschichte, lange bevor ein Wort gesprochen wird.

Was mich an dieser Tradition besonders berührt, ist ein kleines Detail, das viele deutsche Gäste zum ersten Mal erleben: Die Braut wird dreimal gefragt, ob sie den Bräutigam heiraten möchte. Erst beim dritten Mal antwortet sie mit Ja. Kein Zögern aus Unsicherheit, sondern ein bewusstes Innehalten, ein kleiner Moment der Spannung, der genau dadurch umso schöner wird. Für viele Gäste ist das der Augenblick, in dem plötzlich spürbar wird, wie viel Symbolik in dieser Kultur steckt.

Die eigentliche Herausforderung – und gleichzeitig der schönste Teil meiner Arbeit – liegt darin, diese Elemente nicht einfach nebeneinander zu stellen, sondern sie mit dem deutschen Teil der Zeremonie zu einer gemeinsamen Geschichte zu verweben. Eure Geschichte, nicht zwei getrennte Geschichten, die zufällig am selben Tag stattfinden. Das bedeutet, dass ich in den Vorgesprächen genauso viel Zeit darauf verwende, herauszufinden, was euch als Paar verbindet, wie darauf, was aus welcher Familie welchen Stellenwert hat und welchen Platz finden sollte.

Am Ende geht es nicht darum, ob die persische Seite der Familie sich in der deutschen Zeremonie wiederfindet oder umgekehrt. Es geht darum, dass alle an diesem Tag das Gefühl haben, wirklich dabei zu sein. Dass die Großmutter, die kein Deutsch spricht, trotzdem jedes Gefühl versteht. Und dass die deutschen Freunde am Sofreh Aghd verstehen und spüren, warum dieses Ritual für die andere Familie so viel bedeutet.

Eine deutsch-persische Trauung ist für mich deshalb nie nur ein Kompromiss zwischen zwei Kulturen. Sie ist die Möglichkeit, beide in voller Tiefe zu erleben, an einem einzigen Tag, an einem einzigen Tisch, in einem einzigen Moment.

In Erinnerung bleibt nicht jedes Wort – aber ganz sicher das Gefühl, wenn ihr das Strahlen eurer Gäste seht, weil sie euch trotz unterschiedlicher Erwartungen trotzdem die gleiche Freude spüren lassen.

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